Organ-on-a-chip (OOC) als Alternative zu Tierversuchen

Was ist ein Organ-on-a-Chip (OOC)?

Ein Organ-on-a-chip (OOC) – auch mikrophysiologische Systeme (MPS) – ist ein kleines technisches Gerät, das hilft, die Funktionsweise eines menschlichen Organs oder einen Teil davon nachzubilden. Dazu werden lebende menschliche Zellen oder Gewebe in das System eingebracht. Gesteuert mit sehr kleinen elektronischen und mechanischen Bauteilen verhalten sich die lebenden Zellen auf dem Chip ähnlich wie in einem echten Organ, zum Beispiel in der Leber, im Herz oder in der Lunge.

Wie ist ein OOC aufgebaut?

Ein OOC besteht aus winzigen Kanälen und Kammern. Diese befinden sich auf einem kleinen Chip aus Kunststoff oder Glas.

  • In den Kanälen fließt eine Nährlösung. Diese versorgt die Zellen mit allem, was sie brauchen.
  • In den Kammern wachsen die Zellen oder Gewebe.

Die Technik, die dahinter steckt, nennt man MEMS – das steht für mikroelektromechanische Systeme. MEMS sind sehr kleine, feine Bauteile, die Elektronik und Mechanik miteinander verbinden. Sie ermöglichen es, Flüssigkeiten ganz genau zu steuern, Zellen zu beobachten oder sogar kleine Pumpen und Sensoren in das System einzubauen.

In Kombination mit biologischem Material entstehen daraus sogenannte Bio-MEMS – also MEMS mit lebenden Zellen.

Was kann man mit einem OOC machen?

Ein OOC hilft, den menschlichen Körper besser zu verstehen – ganz ohne Tierversuche oder Tests am Menschen. Zum Beispiel kann man herausfinden:

  • Wie wirkt ein neues Medikament?
  • Ist ein Stoff giftig oder gefährlich für den Körper?
  • Wie reagieren bestimmte Zellen auf Krankheiten oder Umweltstoffe?

Da das System den menschlichen Körper gut nachahmt, können die Ergebnisse sehr genau sein.

Wie hilft ein OOC, Tierversuche zu vermeiden?

In der Forschung und bei der Entwicklung von Medikamenten werden oft Tiere verwendet – zum Beispiel Mäuse oder Ratten. Dabei gibt es mehrere Probleme:

  • Tiere reagieren nicht immer so wie Menschen.
  • Tierversuche sind teuer und dauern lange.
  • Viele Menschen lehnen Tierversuche aus ethischen Gründen ab.

OOC bieten eine Alternative:

  • Sie zeigen, wie menschliche Zellen auf bestimmte Stoffe reagieren – ohne dass Tiere dafür leiden müssten.
  • In vielen Fällen sind sie sogar genauer als Tierversuche.
  • Forschende können damit gezielt bestimmte Organe oder Krankheiten untersuchen.

So helfen OOC, die Zahl der Tierversuche zu verringern oder sogar ganz zu ersetzen.

Wo werden OOC eingesetzt?

OOC werden in vielen Bereichen genutzt:

  • Arzneimittelentwicklung: Neue Medikamente werden am OOC getestet, bevor sie an Menschen oder Tieren ausprobiert werden.
  • Personalisierte Medizin: Mit Zellen eines bestimmten Patienten kann man herausfinden, welches Medikament am besten hilft.
  • Toxizitätstestung: Man testet, ob Chemikalien, Kosmetika oder andere Stoffe schädlich für den Menschen sind.

Veranstaltungshinweis

 

Online-Workshop

5th MPS User Days – Microsystems for Physiological Cell Culture

3. Februar 2026

Forschungsschwerpunkte

 

Design und Prototypenherstellung von Mikrosystemen

Hochpräzise Bauteile modernster Fertigungstechnik – mikrometergenau

 

Bioassays für die Zell- und Gewebekultur

Präzise Mikrophysiologie

 

Steuerungskonzepte für Mikro- und Bioanwendungen

Steuerung mikrofluidischer Systeme

 

Charakterisierung von Mikrosystemen

Bildgestützte Messungen machen Strömungen im Mikrosystem sichtbar

Praktika und Facharbeiten

Engagement für Studierende

Studentische Praktika sowie Themen für wissenschaftliche Abschlussarbeiten in einem modernen Forschungsumfeld.

Mitarbeit an aktuellen Projekten, Einblick in Laborabläufe und die Möglichkeit, eigene Fragestellungen zu vertiefen.

 

Kontakt

Fragen zu verfügbaren Plätzen, inhaltlichen Schwerpunkten und zeitlichen Abläufen beantwortet gern Florian Schmieder.

Wir freuen uns auf interessierte und engagierte Studierende!

Projekte

BMFTR-Projekt

Vibro3D

Humanes Infektionsmodell für Vibrio cholerae als Alternative zu Tierversuchen

Laufzeit: 04/2026–03/2029

SAB/EFRE-Projekt

LaserKI

Latenzoptimiertes Anlagen- und Sensornetzwerk zur Echtzeitdatenerfassung und Regelung über KI-Modelle

Laufzeit: 10/2025–06/2028

SAB/EFRE-Projekt

TECHMPS

Technologieplattform für modulare Mikrophysiologische Systeme

Laufzeit: 08/2025–12/2027

SAB/EFRE-Projekt

RadioSecure

Innovative Mikrophysiologische Systeme in der radiopharmazeutischen präklinischen Testung und Qualitätssicherung

Laufzeit: 06/2025–12/2027

SAB/EFRE-Projekt

OGD-LOC

Optische Gewebediagnostik für Lab-on-Chip-Anwendungen

Laufzeit: 05/2024–06/2027

SAB/EFRE-Projekt

LOC-OGD-Sys

Lab-on-Chip-Inkubatorsystem für optische Gewebediagnostik

Laufzeit: 05/2024–06/2027

Fraunhofer-Projekt

COLDIMPACT

Initiative zur Entwicklung kryokonservierter Lungenschnitte für die Forschung

Laufzeit: 04/2023–03/2026

Fraunhofer-Projekt

FIBROPATHS®

Charakterisierung therapeutischer Modulation von Organfibrosen im Biochip-Format für die Medikamentenentwicklung

Laufzeit: 05/2022–04/2025

News und Medien

 

Presseinformation / 20.1.2026

Automatisierte Vitrifikation skaliert funktionale Gewebemodelle

Reproduzierbare Prozesse für präklinische Tests und zukünftige Anwendungen

 

Presseinformation / 16.4.2024

Neue Chance für die Krebstherapie

Miniatur-Labor erlaubt Einblicke in das Entstehen von Metastasen 

 

Presseinformation / 9.1.2023

Radioaktive Substanzen bekämpfen den Krebs im Mini-Labor

 

Presseinformation / 27.1.2022

Lab-on-chip-Systeme: In kürzester Zeit vom Prototypen zur Serienfertigung