Tribologische ta-C-Schichten

Kohlenstoffschichten vom Typ ta‑C zeichnen sich durch eine extrem hohe Härte und dadurch außerordentliche Verschleißbeständigkeit und zugleich universell niedrige Reibung aus. Die Schichtabscheidung erfolgt bei unter 100°C, wodurch temperaturempfindliche Stähle, aber auch Aluminium und sogar Kunststoffe wie Polyamid mit ta‑C beschichtet werden können.

Die chemisch inerten Kohlenstoffschichten verringern die Anhaftungsneigung der Gegenkörpermaterialien und erlauben somit einen schmierstofffreien Einsatz mit geringen Reibwerten um 0,1. In Kombination mit bestimmten Schmierstoffen wird sogar supraniedrige Reibung < 0,01 erreicht. ta‑C ist bis 400°C temperaturstabil.

Konventionelle tribologische Anwendungen

Kolbenringe und Kolbenbolzen eines Pkw-Motors, beschichtet mit ta-C (Serienanwendung).
© Dirk Mahler/Fraunhofer
Kolbenringe und Kolbenbolzen eines Pkw-Motors, beschichtet mit ta‑C (Serienanwendung).

Mit angepassten ta‑C-Schichten auf Komponenten von Lagern, Führungen und Kolben-Zylinder-Paarungen gelingt eine Reibungsminderung in Kombination mit dauerhaftem Verschleißschutz. Mit Härten von bis zu 70 GPa (entsprechend 7000 HV) selbst in Anwesenheit äußerst abrasiver Mikropartikel bleiben die Oberflächen nahezu verschleißfrei. Die ta‑C-Schichten überbrücken auch Mangelschmierungszustände und sogar vorübergehenden Schmierstoffausfall.

Haftfeste Abscheidung auf komplexe Bauteilkonturen

Die haftfeste Abscheidung von ta-C-Schichten auf Zahnräder ist eine großer Herausforderung und gelingt durch einen mehrstufigen Vorbehandlungsprozess.
© Fraunhofer IWS
Die haftfeste Abscheidung von ta‑C-Schichten auf Zahnräder ist eine großer Herausforderung und gelingt durch einen mehrstufigen Vorbehandlungsprozess.

Reibungsminderung und Verschleißschutz in einem Zahnradgetriebe gelingt durch dicke ta-C-Beschichtung ohne weitere Anpassung der Zahnradgeometrie. Für niedrig belastete Getriebe ist durch ta‑C-Schichten sogar ein schmierstofffreier Betrieb möglich. Auch für mediengeschmierte Systeme eignen sich ta‑C-Schichten hervorragend als Verschleißschutz.

Durch geeignete Haftschichttechnologien und eine spezielle Schichtarchitektur gelingt die Abscheidung von ta‑C-Schichten mit Dicken von 10 µm und mehr. Möglich ist die Kombination mit so genannten Einlaufschichten, die auf die verschleißfeste ta‑C-Grundschicht aufgetragen werden. Das verringert die Belastung im Erstkontakt und sorgt für ein mildes Einlaufen der Gleitflächen.

Dicke, selbsttragende Schichten bis 100 µm Dicke

100 µm dicke ta-C-Schicht auf Stahl in Queransicht (gebrochene Probe) im Rasterelektronenmikroskop.
© Fraunhofer IWS
100 µm dicke ta‑C-Schicht auf Stahl in Queransicht (gebrochene Probe) im Rasterelektronenmikroskop.

Mit der Langzeit-Prozessstabilität der Laser-Arc-Technik verbunden mit einem Konzept des Eigenspannungsmanagements gelingt die Abscheidung ultradicker ta‑C-Schichten. Diese können für extrem hohe Verschleißanforderungen, z.B. für Gleitlager oder für Anwendungen mit hoher Partikelerosion eingesetzt werden.

Die Schicht ist homogen aufgebaut und weist nahezu keinen Härtegradienten auf, wie durch Nanohärtemessungen am Querschnitt nachgewiesen wurde. Die Eigenspannung der Schicht ist mit ca. 1,6 GPa (Druckspannung) relativ moderat. Die Schicht kann auf verschiedenste Substratmaterialien, sogar Kunststoff aufgebracht werden.

Beschichtung von Kunststoff

Partiell mit ta-C beschichtetes Riemenrad aus PA12 für die Anwendung in E-Scootern.
© BMW
Partiell mit ta‑C beschichtetes Riemenrad aus PA12 für die Anwendung in E-Scootern.

Dank der geringen Abscheidetemperatur kann ta‑C haftfest auf Kunststoffen abgeschieden werden. Die superharte ta‑C-Schicht schützt z.B. vor abrasiver Belastung in Getrieben mit Kunststoff-Zahnrädern.

Für die Beschichtung von Kunststoff wurden eigene Haftschicht-Konzepte entwickelt. Mit speziellen Härte-gradierten Einlaufschichten kann im tribologischen Erstkontakt mit empfindlichen Gegenkörpermaterialien eine Überbelastung vermieden und eine sanfter Einlauf sichergestellt werden.

Schichten für supraniedrige Reibung

Reibwerte in einem Oszillationstribometer, wie sie im Kontakt einer ta-C-beschichteten Kugel-Platte-Paarung erreicht werden.
Reibwerte in einem Oszillationstribometer, wie sie im Kontakt einer ta‑C-beschichteten Kugel-Platte-Paarung erreicht werden.

Durch die atomistische Oberflächenstruktur von ta‑C-Schichten bilden diese mit bestimmten Schmiermitteln extrem gleitfähige Oberflächen aus. Daher ist es möglich mit ta‑C-Schichten Supraschmierung zu erreichen, z.B. in Gleitlagern mit ta‑C-beschichteten Lagerscheiben. 

Das Fraunhofer IWS ist weltweit mit führend bei der Entwicklung suprageschmierter tribologischer Systeme, basierend auf ta‑C-beschichteten Gleitkomponenten und betreibt umfangreiche Tribologieforschung dazu.